Die Kirche St. Genesius in Öhningen-Schienen ist eine dreischiffige, frühromanische Basilika.
Der Festtag des Hl. Genesius ist der 25. August, das Patrozinium wird traditionell am oder um den 21. Juni gefeiert.
Das „Translationsfest“ am Sonntag nach Christi Himmelfahrt erinnert an die Rückkehr der Statue „Maria mit dem Kind“ in die im 17. Jahrhundert zerstörte und wieder aufgebaute Kirche.
Die Entstehungszeit der Kirche ist nicht restlos geklärt. Sehr wahrscheinlich entstand die Kirche zusammen mit dem Benediktinerkloster Schienen in karolingischer Zeit im 9. Jahrhundert.
Nach der Genesius-Legende schenkte Papst Leo III. dem Grafen Scrot, einem Adeligen in Diensten von Kaiser Karl dem Großen in Italien, ein Schenkelbein des Heiligen.
Im Jahr 801 prüfte der Veroneser Bischof Radolt, Gründer der Stadt Radolfzell, die Reliquie auf ihre Echtheit. Graf Scrot brachte die aus Jerusalem stammende Reliquie auf sein Landgut Schienen, in seine Eigenkirche – die ehemalige Kapelle St. Michael. Die Reliquie wurde rasch Ziel zahlreicher Pilger.
Die um 830 erstmals in einer Handschrift von der Reichenau erwähnte Kapelle gilt als die Keimzelle des Klosters Schienen.
Das Kloster Schienen erlebte seine Blüte im 9. Jahrhundert.
Anfang des 10. Jahrhunderts kam es zum Kloster auf der Insel Reichenau.
In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist eine rege Bautätigkeit an der Kirche belegt. Die Propstei Schienen profitierte von der Zugehörigkeit zur Reichenau, wo Abt Berno sakrale Bauten erweitern oder erbauen und künstlerisch ausstatten ließ.
Im 13. Jahrhundert entstand eine Pfarrei.
Zum Gnadenbild „Maria mit dem Kind“ wird seit Jahrhunderten gepilgert. Die Holzplastik von 1430 bildet den Mittelpunkt der Marienwallfahrt, wodurch die Kirche auch als Wallfahrtskirche bekannt ist.
Pilger kommen oft zu Fuß über den steilen Stationenweg mit 14 Kreuzwegstationen von Bohlingen nach Schienen. Am ersten Sonntag im Juli findet die Bohlinger Wallfahrt nach Schienen statt.
Neben dem rechten Seitenaltar mit dem Gnadenbild zeigt ein Wandbild aus der Zeit um 1450 drei frühere Ortsherren, darunter links Werner von Schienen. Ihm hatte die Schrotzburg oberhalb von Schienen gehört, die 1441 in Folge seines Raubrittertums zerstört wurde.
Im 17. Jahrhundert litten das Dorf Schienen und die Probstei unter den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges. Die Kirche wurde von Bilderstürmern heimgesucht und schwer beschädigt. Die Mönche zogen sich in die Michaelskapelle zurück, um dort ihre Gottesdienste zu feiern. Die wertvolle Statue der Muttergottes mit Jesuskind blieb ihnen erhalten und wurde in der Kapelle aufgestellt. Auf mysteriöse Weise verschwand die Statue über Nacht und tauchte in den Trümmern der zerstörten Kirche wieder auf. Dieser Vorfall wiederholte sich und wurde von den Mönchen und der Bevölkerung als Zeichen angesehen, die Kirche wiederaufzubauen. Schließlich kam es zur feierlichen Wiedereinführung der Statue in die wieder aufgebaute Kirche, bekannt als „Translatio“.
Das Kloster Schienen wurde 1757 aufgehoben.
Bei der Restaurierung im Jahr 1959 wurde die Kirche in ihren Originalzustand um das Jahr 1000 zurückversetzt.
Im Inneren zeigt sich die romanische Kirche mit klarer Geometrie und ansprechender Schlichtheit.
1981 wurde das Gnadenbild „Maria mit dem Kind“ gestohlen. Die Madonnenfigur wurde später in einem Stuttgarter Antiquitätengeschäft entdeckt. Sie kehrte sieben Monate nach ihrem Verschwinden nach Schienen zurück, was als zweite „Translatio“ gefeiert wurde.
Panoramaaufnahmen finden Sie unter www.oehningen360.de - z.B. „St. Genesius“ und „St. Genesius Kirchenschiff“
Orgel
Die digitale Orgel „Ahlborn Hymnus“ von 1999 hat 42 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Tonstrahler stehen in einem Gehäuse mit imitiertem Pfeifen-Prospekt.
| I Manual C-c4 | II Manual C-c4 | Pedal C-f1 |
|---|---|---|
| Prinzipal 16' Prinzipal 8' Rohrflöte 8' Oktave 4' Spitzflöte 4' Quinte 22/3' Superoktave 2' Superquinte 11/3' Mixtur 4-f. Zimbel 3-f. Sesquialter 2-f. Unda Maris 8' Fagott 16' Trompete 8' Trompete 4' | Quintatön 16' Gedackt 8' Gamba 8' Prinzipal 4' Gemshorn 4' Nasard 22/3' Oktave 2' Blockflöte 2' Terz 13/5' Piccolo 1' Scharff 4-f. Vox Celeste 8' Regal 16' Krummhorn 8' Oboe 8' Tremulant | Prinzipalbass 16' Subbass 16' Oktavbass 8' Gedecktbass 8' Oktave 4' Offenflöte 4' Nachthorn 2' Mixtur 6-f. Contrabombarde 32' Posaune 16' Trompete 8' Schalmei 4' |
- Koppeln: II/I, I/P, II/P als Wippen, Hand- und Fußpistons
- Spielhilfen: HR + 2 × 6 Setzer + Pleno + Tutti als Hand- und Fußpistons; Schweller II; Registercrescendo
- 42 Registerwippen, weitere 6 Wippen für Koppeln, Tremulant, Zungen ab, Mixturen ab
- Lautstärkeregelung werksgetrennt
- Transposition in Halbtonschritten von -6 bis +3
Glocken
| Nr. | Name | Gussjahr | Gießer, Gussort | Durchmesser | Masse | Schlagton | |
| 1 | 1840 | Carl Rosenlecher, Konstanz | 860 mm | b'+4 | Bronze | ||
| 2 | 1950 | Grüninger, Straß b. Neu-Ulm | 682 mm | des''+2 | Bronze | ||
| 3 | 1950 | Grüninger, Straß b. Neu-Ulm | 610 mm | es"+3 | Bronze |
In der Melodielinie erklingt das Te Deum-Motiv.
Die Glocken hängen in einem historischen Holzglockenstuhl. Der hölzerne Glockenturm von 1595 steht mittig über dem First der Kirche.
Besonderheiten
Am Turm wird auf zwei Seiten die Uhrzeit angezeigt.
- Auf der Nordseite ist ein gewohntes Zifferblatt angebracht.
- Auf der Südseite sind es zwei separate Zifferblätter, das obere für die Minuten, das untere für die Stunden.
Ehemalige Kapelle St. Michael und Mauritius
Oberhalb der Kirche St. Genesius liegt am Käppeleberg die ehemalige Kapelle St. Michael und Mauritius aus karolingischer Zeit. Sie wurde 1832 zu einem Bauernhaus umgebaut.
Ihre Gründung soll bis in die Zeit der ersten Christenverfolgungen im Bodenseegebiet zurückgehen, ihre ältesten Teile waren wohl Mauern eines keltischen Kult-Raumes.
Die Reliquie des Heiligen Genesius wurde etwa 800 vom Grafen Scrot aus Florenz auf sein Landgut Schienen und seine Eigenkirche St. Michael gebracht. Dort wurde sie rasch Ziel zahlreicher Pilger.
Um 830 wurde die Kapelle erstmals in einer Handschrift von der Reichenau erwähnt.
Sie ist eines der ältesten Gotteshäuser am Bodensee und war die Keimzelle des Klosters Schienen.
Im heutigen Wohnhaus wurde die ehemalige Krypta wieder zu einem Raum der Besinnung eingerichtet. In den Sommermonaten steht er tagsüber Pilgern offen. Auf Anfrage bietet der Besitzer Führungen an.
An der Südseite des Hauses wurde nach alter Klostertradition ein kleiner Kräutergarten angelegt.
Weitere Informationen bei:
Internationale Bodensee Tourismus GmbH
Die Bilder sind noch nicht fertig, sie werden noch entwickelt...












