Kloster Öhningen

Neben der ehemaligen Stiftskirche werden Teile der ehemaligen Konventgebäude von der Kirchengemeinde genutzt.
So befinden sich im südlichen Teil des Konvents eine Pfarrwohnung, das Pfarrbüro und die für Gemeindeveranstaltungen genutzten Säle, der Bernhardsaal und der Konventsaal.
 
Aktuell ist die Nutzung wegen der laufenden Generalsanierung der Gebäude ausgesetzt.
  • Das Pfarrbüro ist vorübergehend im Rathaus eingezogen.
  • Der Kirchenchor ist für seine Proben umgezogen vom Bernhardsaal in den Bürgersaal des Rathauses.
  • Weitere Veranstaltungen finden an verschiedenen anderen Orten statt.
 
 

Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift

Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift mit seinen stattlichen Konventgebäuden und dem Zwiebelhaubenturm der Kirche ist das Wahrzeichen der Gemeinde Öhningen.
 
Aktuell wird das Chorherrenstift generalsaniert. Neben der Sanierung der Gebäude sollen auch der Klosterplatz und die historischen Gärten wiederhergestellt werden.
 
Während der Arbeiten wurden erstaunliche Funde gemacht, die dem Stift Öhningen zu internationaler Bedeutung verhelfen.
 
Für die künftige Nutzung des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts wird eine langfristige Perspektive angestrebt.
Zunächst sollen die offenen Eigentumsverhältnisse geklärt werden zwischen
  • dem Land Baden-Württemberg,
  • der Gemeinde Öhningen,
  • der Erzdiözese Freiburg und
  • der Kirchengemeinde Höri.
 

Geschichte

 
Öhningen wurde im späten 8. Jahrhundert – vermutlich 788 – erstmals als „Oningas“ erwähnt. Es liegt am Ende des Untersees bei Stein am Rhein. Möglicherweise wurde das Stift Öhningen auf der Anhöhe gegründet, an der sich zuvor ein Adelssitz befand.
 
Einer Überlieferung zufolge soll Graf Kuno von Öhningen – er stammte aus einem damals bedeutenden Grafengeschlecht – die Klosteranlage 965 gegründet haben. Die Echtheit der entsprechenden Urkunde von Kaiser Otto I. wird jedoch bezweifelt. Sie ist sehr wahrscheinlich eine Fälschung aus dem späten 12. Jahrhundert.
In jener Zeit kamen Urkundenfälschungen auch und besonders bei Klöstern häufig vor: Dadurch wurden vorgebliche Privilegien oder Ansprüche gesichert, oder eine längere als die tatsächliche Tradition begründet.
 
Mauerreste machen eine Gründung des Klosters zur Zeit des Konstanzer Bischofs Ulrich im frühen 12. Jahrhundert wahrscheinlich. Bischof Ulrich wurde 1111 von Kaiser Heinrich V. eigenmächtig zum Bischof von Konstanz ernannt, er erhielt seine Weihe aber erst 1118 und starb 1127.
 
Die Anfänge des klösterlichen Lebens in Öhningen sind nicht geklärt. Möglich erscheinen
  • die Gründung als Benediktinerkloster, das erst später zum Augustinerkloster wurde, oder
  • die Gründung im späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert gleich als Augustinerkloster während einer Welle ähnlicher Gründungen im Bistum Konstanz.
Belegt ist eine „Propstei Öhningen“ (preposi­tura Oningen) durch eine Urkunde aus dem Jahr 1155.
Von einem namentlich genannten Probst und dem Konvent mit etwa sechs Chorherren wird erstmals 1160 berichtet.
Augustiner-Chorherren werden erstmals 1166 erwähnt.
 
1191 übernahm der Konstanzer Bischof vom Kaiser die Vogtei über Ort und Stift. Untervögte z.B. aus Gaienhofen übten die Vogteirechte aus und verwalteten den Besitz des Stifts, der sich vom Thurgau über Hegau und Klettgau bis in den Südschwarzwald erstreckte.
 
Die Schutzurkunde Papst Alexan­ders IV. von 1256 änderte für den meist aus sechs Chorherren bestehenden Konvent nicht viel: Der Bischof von Konstanz behielt seinen Einfluss auf das Stift.
 
Ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts gab es oft Konflikte zwischen Dorf und Stift. Dabei ging es um Zuständigkeiten und Rechte, auch vor dem Hintergrund des Lehenswesens mit dem Kloster als Grundherr. Mehrfach rebellierten die Öhninger Bauern gegen ihre Herrschaft. Sie wollten unabhängig vom Kloster und vom Bischof werden.
 
Im Bauerkrieg 1524/25 vertrieben die Bauern (und selbst einige Chorherren) den Propst: Er war dem Konvent acht Jahre zuvor aufgedrängt worden, und sie machten ihn für viele Missstände verantwortlich.
 
In dieser Phase wirtschaftlichen Niedergangs des Stifts Öhningen waren die verbliebenen drei Chorherren zerstritten. Der Konstanzer Bischof baute dadurch seinen Einfluss auf das Stift aus, indem er 1527 den Vogt von Gaienhofen als Administrator einsetzte.
 
Nachdem auch der Kaiser den Konstanzer Plan unterstützte, das Stift Öhningen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Hochstiftes Konstanz in dieses einzugliedern, wurde dies 1534 ausgeführt. Der Konstanzer Bischof wurde dadurch kraft Amtes zum Probst des Stiftes Öhningen. Als Vertreter für geistliche Aufgaben in Öhningen setzte der Bischof einen Dekan, Superior oder Prior ein, wozu keine Zustimmung des Konvents erforderlich war.
 
Die Eingliederung verbesserte die wirtschaftliche Lage auch des Öhninger Konvents. Die Versorgung und das Leben im Konvent wurden von Konstanz aus klar geregelt, aber auch bis ins Kleinste überwacht.
Auch Bauangelegenheiten gerieten komplett in die Hand der Konstanzer Fürstbischöfe, die umfangreiche Bauarbeiten starteten. Die Bischöfe schauten jedoch stärker auf andere Orte, die sie sehr prunkvoll ausstatteten. So kam es zur vergleichsweise bescheidenen Architektur des Öhninger Chorherrenstiftes, die ohne solch üppige Barockelemente auskommt. 
 
Im Dreißig­jährigen Krieg wurden Ort und Kloster sechs Mal geplündert. Das Konstanzer Domstift stellte jedoch den Besitz wieder her.
 
Ab dem 17. Jahrhundert gab es in Öhningen einen fürstbischöflichen Obervogt, der für die weltliche Verwaltung auch des Stiftes Öhningen zuständig war. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde als Amtssitz für ihn die Vogtei erbaut, das heutige Rathaus.
 
Im 17. und 18. Jahrhundert litten Dorf und Kloster Öhningen stark unter drei Erbfolgekriegen, dann auch unter zwei Koalitionskriegen.
 
Das Kloster kam mit der Säkularisation des Hochstiftes Konstanz an den badischen Staat. Die Auflösung des Konvents wurde 1803 begonnen und 1805 mit der Errichtung der Pfarrei Öhningen abgeschlossen.
 
Im Land Baden-Württemberg gab es elf Chorherrenstifte. Stift Öhningen ist die am besten erhaltene.
 
 

Wappen

 
Petrus ist einer der Patrone des Stifts Öhningen.
 
Der Schlüssel als sein Hauptattribut erscheint im Stiftswappen: Das viergeteilte Wappen zeigt in zwei diagonalen Feldern den Reichsapfel und in den beiden anderen einen Adler und einen Schlüssel, gehalten von zwei Armen.
 
Durch die Eingliederung des Stiftes Öhningen in das Konstanzer Hochstift 1534 wurde das Stiftswappen auch Teil des Wappens des Bistums Konstanz.
 
 

Klosterbezirk

 
Zum Areal des Chorherrenstiftes zählen westlich des Klosterplatzes
  • die Kirche,
  • die drei Flügel des Konventbaus,
  • die Vogtei,
und östlich des Klosterplatzes
  • die Wirtschaftsgebäude.
 
Mauerreste finden sich aus dem frühen 12. Jahrhundert, jedoch sind gesicherte Aussagen zur Baugeschichte erst ab ca. 1500 möglich: Um 1500 wurden die Gebäude für den Konvent neu errichtet, jedoch noch nicht in ihrer heute bekannten Form.
 
Die  imposanten drei Flügel des Konventbaus entstanden durch Um- und Erweiterungsbauten im 17. und 18. Jahrhundert, enthalten jedoch einige Teile der früheren Bauten.
 
Der Kirchenneubau entstand zwischen 1610 und 1620 unter dem Konstanzer Fürstbischof Jakob Fugger. Sein Wappen mit der Jahreszahl 1617 ist über dem Tor am Ostflügel des Konvents zu sehen.
 
Die Vogtei, das Haus des fürstbischöflichen Obervogtes, entstand um 1650. Sie wurde 2004 umfangreich restauriert und renoviert und dient heute als Rathaus.
 
In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde als Amtssitz für den Obervogt die Vogtei erbaut, das heutige Rathaus.
 
Um 1680 ließ Fürstbischof Johannes Franz Vogt zu Altensumerau und Prasberg Schäden – u.a. Kriegsschäden – an der Kirche und an den Stiftsgebäuden reparieren und die Innenausstattung der Kirche vollenden.
 
Fürstbischof Kasimir Anton von Sickingen sorgte 1747 für die Umgestaltung des Konventsaals. Barocke Raumdekorationen und Rokokostuck geben dem Raum eine wertvolle künstlerische Ausstattung. Auch andere Räume wurden ähnlich ausgestattet, z.B. die „neue Bibliothek“.
 
Im von den Konventgebäuden und der Kirche umschlossenen Klosterhof finden in den Sommermonaten die „Klosterhof-Konzerte“ statt.
 
 

Konventbauten

 
Der rechteckige Klosterhof wird von drei Gebäudeflügeln und der Kirche umschlossen.
 
Der Südflügel ist in zwei Abschnitten entstanden.
 
Der westliche Teil, das Stammhaus, wurde wohl um 1500 erbaut. Das Stammhaus beherbergte die Propstei und später den Sitz des Dekans.
 
Der Südflügel wurde um 1685 Richtung Osten verlängert und so die Lücke zum Ostflügel geschlossen. Dadurch entstand die imposante Südfassade des Stifts, die sich aufgrund der Hanglage über fünf Etagen erstreckt. Noch heute erinnern im Inneren viele Details an diese Zeit, z.B. Stuckdecken. Im Südflügel wohnten die Chorherren.
 
Heute befinden sich im Südflügel Wohnungen, das Pfarrbüro und die für Gemeindeveranstaltungen genutzten Säle, der Bernhardsaal und der Konventsaal.
 
Der Ostflügel stammt aus Zeit um 1500, als auch der erste Teil des Südflügels entstanden ist.
 
Durch die Verbindung zur Kirche wurde er stark verändert, als die Kirche von 1610 bis 1620 neu gebaut wurde. Das Wappen des Konstanzer Fürstbischofs Jakob Fugger mit der Jahreszahl 1617 ist an der Außenfassade des Ostflügels über dem Tor zu sehen.
 
Zunächst schloss der Ostflügel auf seiner Südseite mit einem Giebel ab, bis 1685 der Südflügel bis zum Ostflügel verlängert wurde.
 
Heute befinden sich im Ostflügel Gemeinderäume.
 
Im Westflügel befanden sich die Torkel (Weinpresse) und die Bibliothek.
 
Das Torkelgebäude entstand vor 1556. Auf seine dicken Mauern im Erdgeschoss war zunächst ein Fachwerkgeschoss aufgesetzt, das 1733 durch ein Geschoss aus Steinen ersetzt wurde. Dort waren die Bibliothek und Krankenzimmer untergebracht.
 
Heute wird der Westflügel privat genutzt und beherbergt auch ein Künstleratelier.
 
Nicht zu den eigentlichen Konventbauten zählen die Vogtei (um 1650) nördlich der Kirche und das Torhaus (1683) am östlichen Ende des Stiftsbezirks.
 
Jedoch sind auch sie wesentliche Bestandteile des Klosterbezirks. Die Vogtei wirkt wie die Fortsetzung des Ostflügels im Norden. Sie beherbergt seit 2004 die Gemeindeverwaltung Öhningen.
 
Fachwerkhäuser in der Nähe weisen auch noch heute auf eine Verbindung zum ehemaligen Kloster hin.
 
 

Kontventsaal

 
Der Konventsaal im Stammhaus wurde 1747 von Fürstbischof Kasimir Anton von Sickingen dem damaligen Stil entsprechend barock ausgestattet. Er sollte auch Repräsentationszwecken dienen.
 
Die Fenster nach Süden mit Blick auf den See und die Schweizer Seeseite liegen in drei großen Rundbogen­nischen. Die Optik der Nischen wurde auf die gegenüberliegende Nordseite und auf die schmalen West- und Ostseiten des Raums übertragen. Dadurch wurde die Wirkung eines viel größeren Raumes erzielt, der eigentlich nur 14 auf 6 Meter misst.
 
An der Stuckdecke sind in drei Feldern Gemälde zu sehen. Sie zeigen
  • das Wappen des Stiftes Öhningen,
  • Aspekte der angeblichen Gründung des Klosters im Jahr 965, und
  • Teile der augustinischen Regeln.
An den Wänden sind gemalte Porträts der Apostel zu sehen.
 
Der Raum ist zeitgemäß möbliert mit einem bemalten Schrank und einem Sekretär. Eine aus Holz geschnitzte Gottesmutter Maria und ein Kruzifix vervollständigen die barocke Ausstattung.
 

Personen

 
Die folgenden Öhninger Chorherren erreichten die größte Bekanntheit:
 
Dominikus Wenz (†1755)
  • mit einem Kommentar zur Augustinusregel (1718)
  • mit einer Schrift für die Erstkommunionvorbereitung (1724)
  • mit eine Sammlung von Sinnsprüchen (1726)
  • mit seinem 1757 und 1793 erschienenen Hauptwerk „Exempel-Buch“; es gab für die Erzählliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts wichtige Impulse.
 
Karl Loder (†1760)
  • mit einer biblischen Historie
  • mit handschriftlichen Aufzeichnungen zur Stiftsgeschichte
 
 
 

Stiftskirche St. Hippolyt und Verena in Öhningen

Die Kirche St. Hippolyt und Verena in Öhningen ist eine Saalkirche aus der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock. Außen überwiegen einfache Züge der Spätrenaissance, innen die barocke Ausgestaltung mit vielen hervorragenden Kunstschätzen.
 
Die Kirche gehört zum Ensemble des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Öhningen und bildet die Nordseite des Konvents.
 
Das Patrozinium wird am oder um den 13. August gefeiert, dem Gedenktag des Heiligen Hippolyt von Rom.
 

Geschichte

 
Eine Kirche in Öhningen wird erstmals 1166 erwähnt. Sie war zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus sowie des Märtyrers Hippolyt von Rom errichtet worden. Aussehen und Größe dieser Kirche sind nicht bekannt.
 
Ein Neubau aus dem 13. Jahrhundert hatte wohl bereits die Abmessungen des heutigen Kirchenschiffs. Der Chorraum wurde vermutlich im 15. Jahrhundert neu gebaut.
 
Im frühen 16. Jahrhundert kamen ein spätgoti­sches Leuchterpaar und das prachtvolle Armreliquiar des Heiligen Hippolyt von 1485 in den Besitz des Stiftes.
 
Die heutige Kirche wurde von 1610 bis 1620 im Stil der Spätrenaissance erbaut, nachdem die Baufälligkeit der alten Kirche beklagt worden war. Der Konstanzer Fürstbischof Jakob Fugger von Kirchberg ließ sie auf Resten des alten Turms errichten. Auch die weiteren Kirchenneubauten dieser Zeit in Öhningen gehen auf ihn zurück:
Die neue Kirche sollte am Fest Mariä Himmelfahrt 1618 geweiht werden. Jedoch ist nicht überliefert, ob es dazu kam: Der Turm stürzte kurz davor oder danach ein und verursachte großen Schaden an Gebäude und Ausstattung. Auch die neuen Glocken von 1611 wurden zerstört.
Die erste Taufe in der neuen Kirche konnte dann erst 1620 gefeiert werden.
 
An der Kirche gab es mehrere bruderschaftliche Zusammenschlüsse. Sie wurden vor allem im 17. Jahrhundert gegründet. Bekannt sind:
  • die Rosenkranz­bruderschaft mit Bezug zum linken Seitenaltar, dem Marienaltar,
  • die Sebastiansbruderschaft mit Bezug zum rechten Seitenaltar, dem Sebastiansaltar,
  • die Totenbruderschaft, die noch heute existiert.
Umfangreiche Bauarbeiten am Kirchturm waren 1804 und 1996 nötig. Innenrenovierungen erfolgten 1806 und 1936. Die letzte große Außenrenovation 1981/82 brachte neben Neuverputz und Anstrich auch die Schließung der beiden Ostfenster mit sich.
 
Bei der letzten großen Instandsetzung des Innenraums 1973-75 wurden das Inventar neu geordnet und die zahlreichen Kunstgegenstände restauriert. Auch wurden unterhalb des aktuellen Fußbodenniveaus ein Zie­gelplattenboden und verschiedene Grabplatten gefunden. Die Grabplatte des Chorherren Philipp Scriba (†1620) ist nun neben der Tür zur Sakristei zu sehen.
 
Ursprünglich waren Chorraum und Langhaus zwei unabhängige Gottesdiensträume: Im Langhaus feierte das Kirchenvolk Gottesdienste, während der Chorraum den Augustiner-Chor­herren vorbehalten war.
 
Den Übergang bilden heute ein großer Rundbogen und darunter der Zelebrationsaltar.
Das Vortragkreuz neben dem Zelebrationsaltar ist eine Kopie des in der Sakristei hängenden, ausdrucksstarken Kruzifix aus der Zeit um 1760.
 

Altäre

 
Die drei großen Barockaltäre wirken auf den ersten Blick, als seien sie zusammen entstanden. Jedoch stammen sie von unterschiedlichen Künstlern aus unterschiedlichen Zeiten.
 
Am Hochaltar hat bereits 1619 der Bildhauer Hans Schenck gearbeitet. Schenck war auf Veranlassung des Konstanzer Fürstbischofs Jakob Fugger von Mindelheim nach Konstanz gekommen und gründete dort eine Bildhauerwerkstatt, die später über mehrere Generationen fortgeführt wurde.
Der Gesamtaufbau des Hochaltars weist jedoch auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts hin.
 
Das Hauptbild wurde 1680 vom Maler Johann Georg Melchior Schmidtner aus Augsburg geschaffen. Es zeigt die Heiligen Augustinus, Verena, Franziskus und Hippolyt mit Maria als Him­melskönigin.
 
Das darüber zu sehende Gemälde zeigt Gottvater. Es wurde ebenfalls 1680 von Schmidtner geschaffen.
 
Die Weihe erfolgte 1681 durch den Konstanzer Fürstbischofs Johannes Franz Vogt zu Altensumerau und Prasberg. Sein Wappen bekrönt den Hochaltar und weist darauf hin, dass der Altar in wesentlichen Teilen von ihm gestiftet wurde.
 
Die beiden eindrucksvollen, durch ihre Gestik raumgreifenden Skulpturen von Petrus und Paulus seitlich des Hochaltars gelten als eigen­händige Werke von Hans Schenck.
 
Das Chorgestühl mit 30 Plätzen ist um 1640 entstanden.
 
Die beiden Seitenaltäre stammen wohl aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, aus der Zeit von Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg. Im Vergleich zum Hochaltar wirkt ihr Barockstil ausgereifter. Beide Altäre gleichen sich in ihrem Formtyp bis ins Detail und enthalten eine tiefe Mittelnische.
 
Der Marienaltar auf der linken Seite zeigt die Gottesmutter Maria, die auf einer Mondsichel steht. Die Skulptur wurde von Hans Schenck um 1625 geschaffen. Umrankt wird sie von einem Geflecht und 15 kleinen Gemälden der Rosenkranzge­heimnisse.
 
Im Gemälde darüber wird die Rosenkranz­spende Mariens an den Heiligen Dominikus dargestellt. Rechts ist die Heilige Katharina von Siena zu sehen. 
 
Der Sebastiansaltar auf der rechten Seite zeigt den Heiligen Sebastian eindrucksvoll bewegt in seinem Martyrium, nachdem ihn der römische Kaiser zur Erschießung durch Bogenschützen verurteilt hatte. Die Skulptur wurde von Hans Schenck geschaffen. Umrahmt wird sie von kleinen Gemälden der vierzehn Nothelfer.
 
Darüber ist ein Gemälde des Heiligen Rochus zu sehen: Ein Engel verbindet Rochus' Pestbeule. Das Bild nimmt die Thematik des Heiligen Sebastian auf, der gegen die Pest und andere Seuchen angerufen wird, da man seiner Fürbitte das schnelle Erlöschen der sogenannten Justinianischen Pest 680 in Rom zusprach.
 

Langhaus

 
Der barocke Kruzifixus links vom Marienaltar hing bis 1840 unter dem Chorbogen.
Darunter hängen vierzehn Apostel-Gemälde, die wohl um 1650 entstanden sind und bis 1973 im Chorgestühl hingen. 
 
Aus Altären, die 1636 geweiht worden waren, sind neben den auf den späteren Altären zu sehenden Skulpturen weitere Einzelstatuen erhalten:
  • Der auferstandene Christus mit schwungvoll gebauschtem Mantel ziert zur Osterzeit den Tabernakel im Hochaltar.
    Die Skulptur wird dem Atelier des Bildhauers Johann Christoph Schenck zugeordnet.
  • An der linken Seitenwand zu sehen sind die Statuen der Kirchenpatrone Hip­polyt und Verena.
    Sie sind Johann Christoph Schenck oder seinem Vater Hans Schenck zuzuordnen und zeigen Ähnlichkeiten zu den Skulpturen von Petrus und Paulus seitlich des Hochaltars. Die Plastiken wurden 1973 in der Werkstätte Victor Mez­ger in Überlingen stark überarbeitet. Dabei wurden die Attribute verändert.
Demgegenüber weichen die Statuen an der rechten Seitenwand im Stil ab:
  • Johannes der Täufer dürfte in der Werkstatt Jörg Zürn in Überlingen zwischen 1607 und 1638 entstanden sein.
  • Der Heilige Josef stammt aus dem Spätbarock.
An der rechten Seitenwand stellt das Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert die Apotheose des Heiligen Augustinus dar.
 
Die hölzerne Empore wurde 1707 errichtet. 
 
Die Kanzel wurde 1734 vollendet. Ihren Korb schmücken Statuetten der vier Evangelisten und geflügelte Engelsköpfe. Auf dem Schalldeckel ist die Skulptur des Guten Hirten zu sehen. Die Kanzel war ursprünglich über einen Gang von außen zugänglich. Nach dessen Abbruch wurde 1840 die Treppe hinzugefügt.
 
Aus der Zeit um 1737 stammen die beiden Beichtstühle an der Rückseite unter der Empore, verziert mit einer Darstellung der böhmischen Königin während der Beichte bei Johannes von Nepomuk.
 
Die Kreuzwegstationen wurden 1983 von Josef Henger aus Ravensburg geschaffen, passend zum Gesamteindruck des Raumes.
 
Die Bankreihen für die Gemeinde wurden 1973 erneuert, unter Beibehaltung des Bandelwerkdekors von 1737 an den Wangen. 
 
Die Rundbogenfenster enthalten Heiligendarstellungen in Buntglas. Sie wurden 1919 von der Konstanzer Glasmalerei-Werkstatt Lütz & Elmpt geschaffen. 
 

Decke

 
In den Feldern der stuckierten Flachdecke aus dem 18. Jahrhundert sind folgende Gemäldemotive zu sehen, von vorn nach hinten:
  • das Auge Gottes
  • das Lamm Gottes
  • die Taube des Heiligen Geistes
Im Ge­wölbe des Chorraums sind folgende gemalte Darstellungen zu sehen, geschaffen 1931 von Franz Schilling:
  • der seg­nende Christus
  • die Gottesmutter Maria
  • der Heilige Antonius
  • die Heilige Verena
  • der Heilige Hieronymus
  • der Heilige Augusti­nus
  • der Heilige Gregor
  • der Heilige Wendel 
 

Sakristei

 
Die nicht frei zugängliche Sakristei schließt sich südlich an den Chorraum an und liegt im Ostflügel des Konvents. In den beiden großen, gleichartigen Räumen finden sich eindrucksvolle Schätze:
  • Im vorderen Raum wurde im 17. Jahrhundert ein kunstvoller Schrank mit Kredenz und Lavabo aus dunklem Holz eingebaut.
  • Das prächtige, spätgotische Armreliquiar des Heiligen Hippolyt aus 1485 ist reich mit Edelsteinen verziert und fällt mit seiner Größe auf.
  • Ein spätgotisches Leuchterpaar, das im frühen 16. Jahrhundert in den Besitz des Stiftes kam.
  • Das große Rauchfass, als typische Goldschmiedearbeit zwi­schen Spätgotik und Renaissance entstanden.
  • Die prachtvolle Sonnenmonstranz aus teilvergoldetem Silber wurde im späten 17. Jahrhundert von Goldschmied Wolfgang Caspar Kolb aus Augsburg geschaffen.
  • Auch Gewänder aus der Barockzeit sind noch erhalten, darunter eine Dalmatik (liturgisches Gewand des Diakons) und eine Kasel (Messgewand) aus der Zeit um 1700, restauriert 1955.
  • Das ausdrucksstarke Kruzifix über der Tür zwischen den beiden Räumen stammt aus der Zeit um 1760 von Joseph Anton Feuchtmayer oder von seinem Geschäftspartner und Nachfolger Johann Georg Dirr. Eine Kopie dieser Holzschnitzerei steht neben dem Zelebrationsaltar.
 

Orgel

 
Die Orgel wurde 1982 von Egbert Pfaff aus Überlingen neu erbaut in einem Gehäuse aus dem 17./18. Jahrhundert mit Neuerungen. Den üppigen Neo­barock-Prospekt im Stil der Seitenaltäre schuf die Firma Victor Mezger aus Überlingen.
 
Das Instrument hat 23 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal, die teilweise aus dem Vorgängerinstrument aus dem Jahr 1898 (Schwarz, Überlingen) stammen. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.

I Hauptwerk C-g3 II Schwellwerk C-g3 Pedal C-f1
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Oktave 4'
Koppelflöte 4'
Sesquialter 2f. 22/3'
Schwiegel 2'
Mixtur 4-6f. 11/3'
Trompete 8'
Tremulant
Holzgedackt 8'
Salizional 8'
Prinzipal 4'
Spitzflöte 4'
Oktav 2'
Quinte 11/3'
Cymbel 3-4f. 1'
Schalmay 8'
Tremulant
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Gedecktbass 8'
Choralbass 4'
Rauschbass 3f. 22/3'
Fagott 16'
 
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P als Wippen
  • Spielhilfen: HR + 4 Setzer + Pleno + Tutti als Tritte; Zungeneinzelabsteller als Wippen; Schwelltritt II; Tremulanten Geschwindigkeiten unabhängig einstellbar
  • 23 Registerwippen, weitere 5 Wippen für Koppeln und Tremulanten, 4 kleine Wippen für Zungeneinzelabsteller, 2 Drehregler für Tremulanten Geschwindigkeiten
  • Schleifladen
  • Disposition: Karl Philipp Schuba
Vorgängerorgeln:
 
1601 Organisten in Öhningen werden erwähnt.
1707 Johann Christoph Albrecht aus Waldshut erhält unter Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg den Auftrag, ein Instru­ment zu entwerfen. Der im Badischen Gene­rallandesarchiv in Karlsruhe verwahrte Entwurf mit erhöhtem Mittelturm kam nicht zur Ausführung. Wer die Orgel schließlich baute, ist nicht bekannt.
1734 Es wird eine weitere Orgel – offenbar eine Chororgel – in einem Kirchenbucheintrag erwähnt.
19. Jh. Die Orgel ist vom Wappen des bis 1740 regierenden Fürstbischofs Johann Franz Schenk von Stauffenberg bekrönt und besitzt Flügeltüren, die ausdrücklich nicht nur zu praktischen Zwecken dienten, sondern auch zur „besonderen Zier“.
1898 Orgelneubau von Wilhelm Schwarz & Sohn aus Überlingen als Opus 88. Mit seinem Neorenaissance-Prospekt umfasste die spätromantische pneumatische Kegelladenorgel 16 Register, zwei Manuale und Pedal.
Einzelne Register dieser Orgel fanden ab 1982 Wiederverwen­dung in der neuen Orgel, aber auch bei der Restaurierung erhaltener Schwarz-Orgeln, z.B. in Sinzheim oder in Ballrechten.
1982 Neubau der aktuellen Orgel, Egbert Pfaff, Überlingen.
 
 

Glocken

 
Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
Masse
Schlagton  
1 Christkönigsglocke 1963 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1378 mm 1786 kg d'+2  
2 Marienglocke 1963 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1153 mm 1035 kg f'+4  
3 Heiliger Josef 1963 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1020 mm   718 kg g'+2  
4 Heiliger Geist (Konzilsglocke) 1963 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg   854 mm   425 kg b'+4  
5 Heiliger Michael 1963 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg   755 mm   290 kg c''+4  
6 Totenglocke 1963 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg   666 mm   195 kg d''+2  
 
Das Geläut ist abgestimmt auf das Fünfergeläut der Kirche Maria Himmelfahrt von 1897 in Eschenz, auf der ande­ren Seeseite in der Schweiz gelege­n.
 
Das alte Geläut mit Glocken aus der Zeit zwischen 1551 und 1771 wurde 1963 ersetzt, da es nicht mehr dem Wunsch nach Klangreinheit und Harmonie entsprach.
  • Drei der vier Glocken kamen als klingendes Kriegerdenkmal in ein offenes Gerüst neben der Friedhofskirche.
  • Die vierte, kleinste Glocke war vor dem Ersten Weltkrieg gesprungen und steht heute im Konventsaal des Klosters.
 
 
Panoramaaufnahmen finden Sie unter www.oehningen360.de - z.B. „Öhningen Ort“ und „Klosterkirche“
 
 
Die Bilder sind noch nicht fertig, sie werden noch entwickelt...  
 
 

Kapelle „Maria zum guten Trost“ in Öhningen

Die Kapelle „Maria zum guten Trost“ steht am nördlichen Rand des Kloster-Areals. Zusammen mit der benachbarten Vogtei (heute Rathaus) und der Stiftskirche umschließt sie den Kirchplatz.
 
Die kleine Kapelle wurde gleichzeitig mit der Stiftskirche im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts erbaut und ist zweigeschossig ausgeführt.
 
Im Obergeschoss befindet sich der Kapellenraum. Aus dem 17. Jahrhundert stammen das Vortragkreuz und der Altar. Im 19. Jahrhundert wurden die Altarblätter ersetzt; dabei wichen die Darstellungen des heiligen Blasius und der heiligen Elisabeth (oben) den Darstellungen Mariens als Trösterin der armen Seelen und des heiligen Michaels (oben). An der bemalten Altarwand sind die Seligpreisungen zu lesen.
 
 
Das Untergeschoss mit seinem Tonnengewölbe diente schon immer als Beinhaus. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fanden hier die Öhnin­ger Augustiner-Chorherren ihre letzte Ruhestätte.
 
      
 
Im Dachreiter hängt seit 1954 eine kleine Glocke, geweiht dem Erzengel Mi­chael und gestiftet von dernach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges 1661 gegründeten Totenbruderschaft Öhningen-Ramsen. 

Die großzügige Renovierung und Unterhaltung der kleinen Totenbruderschaftskapelle ist nicht das einzige Engagement der Totenbrüder in heutiger Zeit.
 
 
Das Innere der Kapelle ist nicht frei zugänglich.
 
 

 
Hier wird gebaut...
Demnächst mehr...
Man darf gespannt sein...