Ekkehard Baumgartner

19.12.2025 | Stellvertretender Leitender Pfarrer in der neuen Pfarrei St. Zeno Radolfzell

Geboren 1962 in Offenburg, verbrachte Ekkehard Baumgartner seine Kindheit und Jugend in Bad Säckingen. Als Jugendlicher spielte er Bratsche in mehreren Orchestern, spielte Turnierschach und war in der Jugendarbeit engagiert. Während des Wehrdienstes fiel der Entschluss zum Theologiestudium, das ihn nach Freiburg und München führte. Es folgte ein diakonisches Jahr in einem Frauenhaus in Pforzheim; 1991 wurde er in Bad Säckingen zum Priester geweiht.
 
Nach dem Vikariat in Stutensee und Ettlingen war Baumgartner von 1995 bis 2001 Jugendpfarrer und Kooperator am Freiburger Münster. Von 2001 bis 2015 leitete er die Seelsorgeeinheit Endingen am Kaiserstuhl, anschließend war er von 2015 bis 2025 Pfarrer in Sigmaringen. Seine Arbeit ist geprägt von Praxisnähe, musikalischem Bezug und dem Wunsch, Gemeinden lebendig zu gestalten – insbesondere für Familien und junge Menschen. Seit seinem Wechsel 2025 ist er als Pfarrer auf der Höri tätig und übernimmt zudem die stellvertretende Leitung der neuen Pfarrei St. Zeno Radolfzell.
 
Wie sind Sie nach den ersten 100 Tagen im Dienst auf der Höri angekommen und wie geht es Ihnen bei uns?
So ein Neuanfang ist immer eine Herausforderung. Bei mir verbinden sich Arbeit, Privates und Freizeit sehr eng. Ich bin aber ganz berührt, wie freundlich und offen mich viele Menschen auf der Höri aufnehmen und annehmen: Innerhalb der Kirchengemeinde aber auch durch Leute in Vereinen und Institutionen.
Das ist eine schöne Erfahrung und gleichzeitig gibt es aber auch Momente von Heimweh.
 
Wie erleben sie die Höri?
Hier zu leben ist ein großes Geschenk: Der See, die Natur und das Miteinander. Es gibt ein sehr lebendiges Vereinsleben, gleichzeitig gibt es in der Kirchgemeinde große Aufgaben zu bewältigen, da bin ich froh, dass viele Frauen, Männer und Jugendliche bereit sind, sich zu engagieren.
 
Was ist ihnen wichtig? 
Mir ist es wichtig, dass wir miteinander die Kraft und die Lebendigkeit des christlichen Glaubens neu entdecken: Im Evangelium geht es um unsere Lebens- und Beziehungsfähigkeit. Viel zu lange haben wir den christlichen Glauben auf Moral und „Brav-Sein“ verkürzt. Der Botschaft Jesu wirklich zu folgen lässt uns menschlich wachsen – es geht um unsere Menschwerdung.
 
Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Arbeit auf der Höri setzen?
Insgesamt ist es mir wichtig, dass die Arbeit Freude macht und Menschen zusammenbringt. Dafür sehe ich folgende Schwerpunkte:
  • Lebendig gestaltete Gottesdienste – in den Kirchen und im Freien (z. B. Taufen und Gottesdienste am See, Wandergottesdienste).
  • Räume der Begegnung schaffen
  • Wir müssen verstärkt in die Jugendarbeit investieren
  • Wichtig für mich ist die Zusammenarbeit mit Vereinen und Einrichtungen, um so Netzwerke zu schaffen und zu vertiefen, von denen alle Beteiligten profitieren
Was sind ihre größten Schwächen und Stärken?
Dass ich gerne mit anderen Menschen zusammen komme und kooperiere… manche bezeichnen mich als Netzwerker. Ich liebe kreativ gestaltete Aktionen und Gottesdienste. Ich habe Ausdauer, und gebe nicht so schnell auf.
Eine meiner großen Schwächen ist die Ungeduld, am liebsten hätte ich, dass alles gleich „läuft“. Weil mir meine Arbeit Spaß macht, packe ich zu vieles gleichzeitig an und merke dann, dass ich mir wieder mal zu viel aufgeladen habe.  
 
Braucht es in der Zukunft überhaupt noch Kirche?
Kirche ist für mich zu allererst die Gemeinschaft von Frauen und Männern, die die Botschaft Jesu Christi heute leben: Diese Botschaft lädt uns ein, Kraft zu schöpfen, Hoffnung zu leben und Mut zu fassen – aus unserer innersten Mitte und aus Gott.
Also erst schöpfen und uns dann einzusetzen für ein Miteinander in Güte, Solidarität und echter Toleranz. Das sind Werte, die in unserer Gesellschaft verloren zu gehen drohen. Deshalb braucht es gerade heute Christinnen und Christen, die ihren Glauben engagiert leben. Das Miteinander aller Christen – gleich welcher Konfession – ist hier eine Zukunftsfrage.