Die Höri Mittsommernächte 2026

30.06.2026 | Moderne Mystik – von stummen, klingenden und leuchtenden Mauern …

Die Höri Mittsommernächte 2026 - Der Lichtgestalter Ingo von Münster-Lazi verwandelte  im das Kloster Schienen auf der Höri in einen Raum aus Licht, Musik und Mystik. Verschiedene Konzerte und Inszenierungen verwandelten die Klosterkirche in einen lebendigen Raum der unterschiedlichen Wahrnehmung.

 
 
 
Von Christof Stadler
 
Schienen ist ein besonderer Ort: eingebettet in den waldreichen Berg, der denselben Namen trägt, und geprägt von einem besonderen Bauwerk, der romanischen Kirche St. Genesius mit ihren Arkaden und gemauerten Pfeilern. Errichtet vor gefühlten Ewigkeiten, vor rund tausend Jahren, bot sie den idealen Rahmen für die neu von der Katholischen Kirchengemeinde Bodensee-Hegau unter Pfarrer Ekkehard Baumgartner ins Leben gerufenen Höri-Mittsommernächte, die nur dank eines Zuschusses der Erzbischof-Hermann-Stiftung aus Freiburg möglich wurden.
 
 
Eine behutsame Lichtinszenierung des Künstlers und Filmemachers Info Münster-Lazi bildete eine besondere Atmosphäre zwischen Wort, Klang und Raum.  
Als das Jahr seinen Zenit erreichte, entstand durch die eindrucksvolle Verbindung von Licht, Klang und Architektur eine neue Form von Mystik. Kein Konzert im eigentlichen Sinn, sondern ein Arrangement, das im romanischen Kirchenraum eine besondere Wahrnehmung zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen Stille und Musik eröffnete.
 
Den Auftakt bildeten am Freitagabend die „Botschaften nach oben“. Dagmar von Münster-Lazi setzte Fragen und Fürbitten der Besucher sowie Worte der christlichen Mystik in kalligrafische Schrift um, die auf die Wände projiziert wurde. Begleitet wurden diese Bilder von einfühlsamen Klängen der E-Violine und der Handpan von Martin Geiger, umrahmt von einem plötzlich aufziehenden Gewitter.
 
 
 
Am Samstagmorgen füllte sich die Kirche zur Jazz-Matinee mit zahlreichen Besuchern, die aufmerksam den Klängen der Hammond-Orgel von Thomas Brauser sowie Arno Haas am Tenorsaxophon und Nelson Brisenjo lauschten.
 
Vor dem Hintergrund der romanischen Wallfahrtskirche St. Genesius  flackert das Johannisfeuer in den nächtlichen Himmel des Schiener Berges
Am Abend folgte ein weiterer Höhepunkt mit dem Johannisfeuer auf der Pfarrwiese oberhalb der Kirche. Bereits Tage zuvor hatte die Freiwillige Feuerwehr Öhningen, Abteilung Schienen, unter ihrem Abteilungskommandanten Michael Helmer einen kunstvollen Holzstoß errichtet. Die Bewirtung übernahmen Ehrenamtliche der Pfarrei; das Angebot wurde gut angenommen. Rund 250 Personen sahen dem flackernden Feuer in den Nachthimmel zu und tauschten im Gespräch Gedanken aus, während sich allmählich die Dunkelheit über den Berg legte. Um 22 Uhr rief die tiefe Glocke aus dem Dachreiter in das sakrale Gemäuer zu den Klängen der Schola Gregoriana Ratisbonensis aus Regensburg unter der Leitung von Christoph Hönerlage. Die rund tausend Jahre alten gregorianischen Gesänge erfüllten den Raum und ließen ahnen, was die Mönche des einstigen Klösterchens angestimmt hatten. Die Stimmen verbanden sich mit einer sich wandelnden Lichtatmosphäre, die die Architektur der Kirche immer wieder neu sichtbar werden ließ. Idee, Konzeption und Lichtinszenierung lagen in den Händen von Ingo von Münster-Lazi, der mit der Gregorianik atmosphärische Raumerlebnisse schuf.
 
 
Am Sonntag feierte die Gemeinde das Patrozinium der Kirche, musikalisch umrahmt von der Band „Chörle“ aus Säckingen, die für eine lebendige Stimmung sorgte. Anhand der Lebensgeschichte des römischen Zauberers Genesius veranschaulichte Pfarrer Baumgartner in seiner Predigt das Leitwort: „Dass du der Mensch wirst, der du bist“, fast wie eine Zusammenfassung der Höri-Mittsommernächte, sich der eigenen Berufung bewusst zu werden, zum Leuchten und Klingen zu kommen.
 
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