Emotionale Belastbarkeit stößt an Grenzen

03.08.2026 | Die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Heilig-Geist-Kirche der Uniklinik Freiburg reden über ihre Arbeit auf der Station

Freiburg. Wer die Katholische Klinikkirche Heilig Geist besuchen will, braucht Orientierungssinn. Er muss sich auf dem weitläufigen Gelände der Universitätskliniken Freiburg mit Dutzenden von heilkundlichen Zentren zurechtfinden, bis er zum Flügelbau der Chirurgischen und Medizinischen Klinik gelangt. Durch diesen geht es zu dem verdeckt liegenden Gotteshaus. Wer es betritt, kommt in einen großen, hellen Rundbau mit Empore, einen Ort des Lichts und der Ruhe. Genauer in eine quergestellte Ellipse mit Verbindung zur medizinischen oder chirurgischen Klinik im Erd- und auch im Obergeschoss.
 
Die Klinikkapelle ist eine veritable Kirche. Sie wurde Anfang der 1950er Jahre vom Architekten und Regierungsbaudirektor Horst Linde erbaut auf zweieinhalb Ebenen. Ebenerdig saßen die rund 100 Schwestern vom Orden der Vinzentinerinnen, die einst in der Klinik arbeiteten. Das heutige Bistro zwischen den beiden Klinikflügeln diente ihnen als Refektorium. Die letzten Schwestern verließen das Haus vor rund zehn Jahren.
 
  
 
Deutlich erhöht auf einer Art Hochparterre steht der Altar und zwei Amben. Dünne Betonsäulen tragen einen Balkon unter einer imposanten in Rauten gestalteten, leicht gewölbten hölzernen Decke, der das halbe Oval des Raumes umfasst. Die Galerie ist breit angelegt. Es war üblich, Krankenbetten über eine Verbindung direkt aus den Zimmern auf sie zu schieben – was wegen des zu hohen Personalaufwands jedoch nicht mehr praktiziert wird. In den Anfangsjahrzehnten jedenfalls verfolgten die Kranken von dort oben den Gottesdienst im Liegen. Gotteshaus und Klinik wurden auf dieser Schnittfläche zur Einheit, auch in der Hoffnung, dass Wort und Sakrament beim mitfeiernden Kranken heilende Kräfte freisetzen.

Existenzielle Fragen und archaische Gefühle

Seelsorgerinnen und Seelsorger kümmern sich um die Kranken in allen Bereichen des Universitätsklinikums, in der Kardiologie, Psychiatrie, Endokrinologie und vielen weiteren medizinischen Bereichen plus dem Josefs- und dem Loretto-Krankenhaus in der Stadt. Andrea Kohler, Leiterin des katholischen Seelsorgeteams aus drei Kolleginnen und fünf Kollegen, sagt: „Unser Alltag spielt sich überwiegend auf den Stationen ab.“ Man sei in die dortigen Teams eingebunden, besonders stark in der Kinderklinik, der Palliativabteilung und in der Onkologie.
 
Andrea Kohler ist von Haus aus Pastoralreferentin und auf Klinikseelsorge und Supervision spezialisiert. Zusammen mit Pater Arno Geiger vom Kamillianer-Orden ist sie in die Heilig-Geist-Kirche gekommen, um über ihre Arbeit zu sprechen. „In Krisen sind Menschen stark emotionsgeleitet“, sagt sie, „häufig brechen existenzielle Fragen und archaische Gefühle auf“. Damit sind sie konfrontiert, besonders wenn sie in Krisensituationen gerufen werden.
 
Es gebe Situationen, da sei die Leiderfahrung mit den Patienten zu groß. „Da erdrückt einen das Mitleiden fast selbst“, sagt Pater Geiger. Kollegin Kohler bringt ein Beispiel: „Im Rufdienst am Wochenende kann es im Extremfall sein, dass man zehn Mal gerufen wird: Notaufnahmen, die Begleitung suizidaler Patienten, und wenn dann noch ein Kind stirbt, kommt man echt an die Grenzen der eigenen emotionalen Belastbarkeit.“
 

Zwei Sorten von Grenzsituation

Die Seelsorgerin spricht von zwei unterschiedlichen Arten von Grenzsituation. Manchmal falle die Begleitung sehr schwer, weil es extrem traurig sei. Etwa wenn Menschen aus dem Leben gerissen werden. Wenn Kinder sterben oder junge Eltern, die Kinder zurücklassen. Daneben gebe es jedoch auch „gute Abschiede“, etwa wenn Sterbende und Zugehörige sich stimmig verabschieden können, ein langes Leiden mit Erleichterung zu Ende gehe, Menschen am Lebensende mit sich ins Reine kommen und dankbar zurückschauen. Auf Wunsch feiert Andrea Kohler mit Kranken und Angehörigen den Sterbesegen, in dem dies oft beeindruckend zum Ausdruck kommt. Pater Geiger spendet die Krankensalbung, ein „Sakrament der Stärkung“, wie er sagt.
 
Der Lärm eines landenden Rettungshubschraubers unterbricht das Gespräch in der Heilig-Geist-Klinikkirche. Die Notaufnahme ist in unmittelbarer Nähe. Mehrmals täglich schweben Helikopter mit Schwerverletzten ein. Landet einer während des Gottesdienstes, muss dieser unterbrochen werden. Die Pause gewährt etwas Zeit, das Glasscherbenmosaik auf der Altarwand zu betrachten, geschaffen vom Heidelberger Künstler Harry McLean. Oben, zentral eine faszinierende große Taube. Sie symbolisiert den Heiligen Geist, der seine heilende Wirkung ausgießt. Hernieder auf den Blinden, der von Jesus geheilt wird (links), auf Jesu Taufe durch Johannes im Jordan (Mitte) und die Erweckung der Tochter des Jairus (rechts).

Ein Funke Hoffnung

Die Rotorblätter des Hubschraubers kommen zum Stillstand, der Lärm legt sich. Es sei schon lange nicht mehr so, dass kirchliche Seelsorger nur gerufen werden, wenn’s ums Sterben geht, setzt Andrea Kohler das Gespräch fort. „Es geht darum, wie wir in Krankheits- und Heilungsprozessen unterstützen können.“ Seelsorger seien keine Wunderheiler, sondern versuchen einen Beitrag zur Heilung in dem Sinne zu leisten, „dass ein Mensch innerlich besser mit den Herausforderungen einer Krankheit umgehen kann“, sagt sie. Das gelte insbesondere für Menschen, die kaum Aussicht auf Heilung haben: chronisch Kranke, dauerhaft Versehrte, palliativ Erkrankte.
 
Zwei Mal in der Woche wird in der Kirche Eucharistie gefeiert. Ansonsten ist sie offen für Rückzug und Stille, zum Atem holen und zum Gebet, was Patienten, Angehörige, Besucher und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft und gerne wahrnehmen. Im Anliegen-Buch, das ausliegt, bildet sich manch Schicksal ab. Elend, Trauer, Verzweiflung, aber auch Sehnsucht, Hoffnung, Dankbarkeit. „Ab und an betet hier auch ein Muslim“, sagt Andrea Kohler. Die Theologin hat kein Problem damit. „In der Krankheits-Situation spielen Religionszugehörigkeit und Konfession häufig keine Rolle, es geht meist um existentielle und spirituelle Fragen“, sagt sie. Es könne auch sein, jemand zünde eine Kerze an, obwohl er gar nicht an Gott glaube. „Vielleicht ist da ein Funke Hoffnung, dass es eine Macht gibt, die beisteht, die hilft.“
 
(asc)
So erreichen Sie uns
 
  Büro Horn
 Telefon   07735 2034
Mail   buero.horn@kath-hoeri.de
    
Pfr.  Heinz Vogel
Telefon   07732 2016
oder  
  
 
Pfr. 
Ekkehard Baumgartner
mobil  
oder  
 
 
GRef. 
Carmen Fahl
mobil  
oder  
Mail
Zum Namenstag gratulieren wir:
  
Nächste Gottesdienste
  
Di, 04.08.2026
18:30 Öhningen-Wangen, St. Pankratius
Vorsteher: Helmut J. Benkler
Do, 06.08.2026
15:30 Gaienhofen, Seeheim Höri
18:30 Öhningen-Wangen, St. Pankratius
Fr, 07.08.2026
18:30 Öhningen-Schienen, St. Genesius
Vorsteher: Ekkehard Baumgartner
19:00 Gaienhofen-Horn, St. Johann
Sa, 08.08.2026
11:00 Gaienhofen-Hemmenhofen, St. Agatha
Taufe der Kinder Hailey Bosky und Kilian Koltes-Loparco
Vorsteher: Ekkehard Baumgartner
So, 09.08.2026
09:30 Öhningen, St. Hippolyt und Verena
Carl-Maria v. Weber: Jubelmesse G-Dur op. 76 | Projektchor und Projektensemble der Höri Musiktage
Vorsteher: Heinz Vogel
10:30 Gaienhofen-Horn, Campingkirche
Campingkirche Horn
10:30 Gaienhofen-Horn, St. Johann
Vorsteher: Helmut J. Benkler
18:00 Moos, Sieben Schmerzen Mariens
Vorsteher: Ekkehard Baumgartner
 
Mehr Informationen unter Gottesdienste.
 
Tageslesungen
  
weitere Termine
  
So. 09.08.2026, 09:30
Carl-Maria v. Weber: Jubelmesse G-Dur op. 76 | Projektchor und Projektensemble der Höri Musiktage
Mo. 21.09.2026, 19:30
Öffentliche Sitzung

 Wöchentliche Termine
 
 
 unter Gemeindeleben.
 
 
 
Aktuelle Meldungen der Erzdiözese Freiburg