Religionsfreiheit schützen, Gewalt beenden

01.04.2026 | Erzbischof Burger und Landesbischöfin Springhart besorgt über Eskalation im Heiligen Land

Zu Beginn der Karwoche haben Erzbischof Stephan Burger und Landesbischöfin Heike Springhart ihre tiefe Sorge über die anhaltende Gewalt im Heiligen Land und im gesamten Nahen Osten geäußert. Angesichts massiver Behinderungen der christlichen Osterfeierlichkeiten in Jerusalem sowie der prekären Lage in Gaza und der Westbank riefen sie die internationale Gemeinschaft zu verstärktem Einsatz für einen gerechten Frieden auf.

„Ostern und Pessach sind Feste der Freiheit. Dass so viele Menschen in Israel, den palästinensischen Gebieten, aber auch im Libanon und im Iran diese Tage in Angst um ihr Leben verbringen müssen, ist ein Skandal unserer Zeit“, so der Erzbischof und die Landesbischöfin. Besonders erschüttert zeigte sich Erzbischof Burger über die jüngsten Ereignisse in Jerusalem: Am Palmsonntag war Pierbattista Kardinal Pizzaballa, dem Lateinischen Patriarchen, und Francesco Ielpo, Kustos im Heiligen Land, der Zutritt zur Grabeskirche für die Feier der Palmsonntagsmesse durch die israelische Polizei verwehrt worden. „Wenn der Zugang zu den heiligsten Stätten der Christenheit derart eingeschränkt wird, ist das eine harte Belastungsprobe für das interreligiöse Miteinander und ein besorgniserregendes Signal für die Religionsfreiheit vor Ort“, betonte Burger.
 
Einen Tag später hieß es, dem Lateinischen Patriarchen werde „unverzüglich der volle Zugang“ zur Grabeskirche in Jerusalem ermöglicht. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte mit, er habe den zuständigen Behörden eine entsprechende Anweisung erteilt.


Verantwortung der Kirchen in Deutschland

Die beiden Geistlichen unterstrichen die besondere Verantwortung der Kirchen in Deutschland, über das Leid im Nahen Osten nicht zu schweigen. Es gelte, den Blick über die eigenen täglichen Herausforderungen hinaus auf die existenzielle Not der Menschen in der Region zu richten. „Das Gebot der christlichen Nächstenliebe lässt uns nicht ruhen, solange Zivilisten – ob in Gaza, Israel oder der Westbank – schutzlos Gewalt und Vertreibung ausgesetzt sind.“
 
Erzbischof Burger und Landesbischöfin Springhart verurteilten dabei die nach wie vor prekäre humanitäre Lage im Gaza-Streifen, die Ausweitung des Krieges auf den Libanon und die zunehmende Gewalt radikaler Siedler im Westjordanland sowie jegliche Annexionspläne, die einen künftigen Frieden verunmöglichen. „Seit Wochen höre ich immer wieder von der Verzweiflung und dem Gefühl der Aussichtslosigkeit von Gesprächspartnern im Westjordanland, insbesondere aus den Gemeinden der evangelischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL). Ich bin über die Eskalation der Gewalt im Schatten des Krieges entsetzt. Das muss enden!“, so die Landesbischöfin. Beide betonen: „Ein dauerhafter Friede setzt voraus, dass die Waffen schweigen und die Hamas entwaffnet wird. Terror darf niemals das letzte Wort haben, ebenso wenig wie die Gewalt gegen Unschuldige in Gaza und im Westjordanland oder die Unterdrückung der Zivilgesellschaft im Iran.“ Erzbischof und Landesbischöfin kritisierten außerdem scharf das umstrittene Gesetz zur Todesstrafe für Palästinenser im Westjordanland.


Zivilgesellschaftliche Friedensarbeit stärken

Die Evangelische Landeskirche in Baden ist mit der Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und mit der Bischöflichen Kirche in Jerusalem und dem Mittleren Osten partnerschaftlich verbunden und unterstützt deren diakonischen Initiativen und Bildungsarbeit. Landesbischöfin Heike Springhart war zu Beginn des Jahres bei der Amtseinführung von Bischof Imad Haddad (ELCJHL) in Jerusalem und Bethlehem und traf verschiedene Gesprächspartner aus Kirchen, Bildung und Politik.

Die Erzdiözese Freiburg unterstützt seit Jahren Organisationen wie die Alliance for Middle East Peace (ALLMEP), die sich für die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen. „Meine Hoffnung liegt in den Menschen, die sich trotz des Krieges für Versöhnung entscheiden. Es braucht jetzt einen koordinierten Übergang zu einer Ordnung, die allen Bewohnern der Region ein Leben in Würde und Sicherheit garantiert“, so Burger abschließend.
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