Hilfe aus Freiburg ließ Christen im Libanon helfen

07.05.2026 | Bei einem Besuch in Freiburg berichtete der maronitische Erzbischof Hanna Rahmé, wie nötig die Unterstützung der Erzdiözese ist

Freiburg. Eine von Wirtschaftskrise, Krieg und Flucht erschöpfte Bevölkerung, soziale Spannungen und politische Unsicherheit – unter diesen Bedingungen haben es auch die christlichen Kirchen im Libanon schwer. Nun besuchte (6. Mai) Hanna Rahmé, maronitischer Erzbischof der Diözese Baalbek, seinen Amtsbruder Stephan Burger in Freiburg. Begleitet wurde er von Pater Francis Succar.
 
Erzbischof Rahmé berichtete, wie wichtig die Unterstützung aus Freiburg für seine Diözese gewesen sei. Die bisherige Hilfe der Erzdiözese Freiburg in Höhe von insgesamt 402.000 Euro aus Projekt- und Nothilfemitteln habe der Eparchie in entscheidenden Phasen geholfen. Kurz nach der ersten finanziellen Unterstützung im Januar 2024 sei der Krieg ausgebrochen. Rückblickend habe sich diese Hilfe, so Rahmé, als „Vorsehung“ erwiesen: Die Diözese habe dadurch vorbereitet reagieren, Geflüchtete aufnehmen und konkrete Nothilfe leisten können.
 

Kirche als erste Anlaufstelle

Die Kirche in Baalbek habe dabei ein eindrucksvolles Zeugnis christlicher Nächstenliebe gegeben. Erzbischof Rahmé verwies auf das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Viele Menschen, gleich welcher Religionszugehörigkeit, fanden Aufnahme in christlichen Haushalten; zunächst seien rund 25.000 Geflüchtete versorgt worden, im vergangenen Jahr nochmals etwa 8000. Die Kirche wurde in dieser Situation für viele zur ersten Anlaufstelle. Sie leistete Soforthilfe mit Lebensmittel- und Hygienepaketen, unterstützte Familien bei Bildungs-, Transport- und medizinischen Kosten und half Menschen in sozialen und existenziellen Notlagen.
 
Die Eparchie Baalbek-Deir El-Ahmar liegt im Nordosten des Landes, nahe der syrischen Grenze. Sie umfasst eine weitläufige Region, die durch ihre geografische Lage, soziale Spannungen und große pastorale Herausforderungen geprägt ist. In den Wintermonaten erschwert die Gebirgskette im Landesinneren zusätzlich den Zugang zum Rest des Landes und damit die Vernetzung mit anderen Diözesen.
 

Sehnsucht nach Dialog und Frieden

Bei dem Treffen kam auch die tiefe Erschöpfung der Bevölkerung im Libanon zur Sprache. Seit 2019 leidet das Land unter einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise; hinzu kommen die Folgen der politischen Blockaden, neue Fluchtbewegungen und die Belastungen durch den Krieg. Viele Menschen in der Region wünschen sich nach den Worten Rahmés eine gewaltfreie Lösung, Dialog und Frieden. Zugleich stehe die christliche Minderheit unter erheblichem Druck. Umso größer sei die Sehnsucht nach einem friedlichen, kulturell lebendigen und entwicklungsfähigen Libanon.
 
In diesem Zusammenhang erinnerte Erzbischof Rahmé an ein Wort Papst Johannes Pauls II.: Der Libanon sei „mehr als ein Land: Er ist eine Botschaft der Freiheit und ein Beispiel des Pluralismus für Ost und West“. Gerade diese Botschaft sieht die Kirche im Libanon heute neu herausgefordert: Brücken bauen, Hoffnung stärken und inmitten von Unsicherheit ein friedliches Miteinander fördern.

Erzbischof Burger würdigt Standhaftigkeit der Brüder und Schwestern in Baalbek

Erzbischof Stephan Burger würdigte die Standhaftigkeit des Bischofs, der Priester, Ordensleute und Mitarbeitenden in Baalbek. Es sei beeindruckend, mit welcher Treue sie ihren Dienst wahrnähmen und damit auch in Europa ein Zeugnis für Mut und den Glauben an Jesus Christus gäben. „Die Diözese Baalbek leistet einen wichtigen Beitrag nicht nur zur christlichen Präsenz im Libanon, sondern auch zur Unterstützung der von zahllosen Kriegen zermürbten und verarmten Bevölkerung. Unsere Solidarität und Gastfreundschaft für Bischof Hanna ist deshalb eine Selbstverständlichkeit. Helfen zu können ist ein Segen!“
 
Zum Abschied überreichte Erzbischof Rahmé eine Dose libanesischer Süßigkeiten. Erzbischof Burger dankte sichtlich erfreut und erwiderte: „Ich wünsche Ihnen von Herzen nicht nur bittere Stunden, sondern auch Stunden der himmlischen Süßigkeit. Gleichzeitig hoffe ich, dass das, was Sie aussäen, auch gute Früchte trägt.“
 
(dk)
Infokasten: Libanon und die Eparchie Baalbek-Deir El-Ahmar

Die Eparchie

Die Maronitische Eparchie Baalbek-Deir El-Ahmar liegt im Nordosten des Libanon, nahe der Grenze zu Syrien. Sie umfasst nach eigenen Angaben rund 2.846 Quadratkilometer und damit etwa 27 Prozent des Landesgebiets. In der Region leben rund 445.500 Menschen, darunter etwa 130.000 Christen. Die Eparchie versteht sich als „Kirche an den Grenzen“: geografisch, sozial, politisch und religiös. Zu ihren Aufgaben gehören Seelsorge, Bildung, interreligiöser Dialog und humanitäre Hilfe.

Aktuelle Lage im Libanon

Der Libanon befindet sich weiterhin in einer schweren Mehrfachkrise. Die Wirtschaftskrise seit 2019 hat Einkommen, Kaufkraft und staatliche Versorgung massiv geschwächt. Aufgrund der gewaltvollen Konflikte wird für 2026 mit mehr als 1,2 Millionen Menschen gerechnet, die von akuter Ernährungsunsicherheit auf Krisenniveau oder schlimmer betroffen sein könnten. Politisch bleibt das Land angespannt; die Sicherheitslage ist besonders durch den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah sowie durch die Frage staatlicher Kontrolle über Waffen nichtstaatlicher Gruppen belastet.
 
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